Ausschreibung für Kunstrasenplatz genehmigt

Sand: Schwer, sehr schwer tat sich der Gemeinderat Sand, der sich nach intensiven Diskussionen am Ende doch dazu durchringen konnte, nach zunächst erfolgter Ablehnung im ersten Anlauf in einer erweiterten erneuten Abstimmung die Ausschreibung für den geplanten Kunstrasenplatz doch in Auftrag zu geben. Der Bau eines Kunstrasenplatzes ist damit aber noch lange nicht beschlossen.

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Eingangs der Gemeinderatssitzung listete Bürgermeister Bernhard Ruß nicht zuletzt auch für die vielen interessierten Zuhörer alle bisher unternommenen Schritte auf, die in Sachen Kunstrasenplatz von ersten Gesprächen bis zum jetztigem Zeitpunkt unternommen wurden. Um in das LEADER-Förderprogramm zu kommen habe man zum Teil auch unter Zeitdruck gestanden. Die von verschiedenen Seiten in den Raum gestellten Zahlen über Kosten usw., seien auf Grund einer breiten Streuung mit Vorsicht zu genießen gewesen. Nach verschiedenen Besichtigungen von Kunstrasenspielfeldern habe man sich schon ein besseres Bild machen können.

Bürgermeister Ruß stellte heraus, dass man aus dem LEADER-Förderprogramm für den Kunstrasenplatz und einer mobilen Bühne einen Zuschuss von rd. 149.000.- Euro zugesagt bekam. Zusätzlich würde eine ohnehin notwendige Sanierung des Nebenplatzes im Seestadion Kosten von ca. 130.000.- Euro verschlingen. Aus dem Sandplatz ein Rasenspielfeld zu machen wäre bei der Dauerbelastung durch Training und Spielbetrieb nicht sinnvoll. Auch in der Bürgerversammlung im Oktober letzten Jahres hätten sich mehrere Bürger für die Verwirklichung eines Kunstrasenplatzes ausgesprochen. Bürgermeister Ruß machte in der Gemeinderatssitzung klar, dass ohne weiteren Planungsfortschritt der Kunstrasenplatz in diesem Jahr nicht mehr gebaut werden kann. Damit würde auch der LEADER-Zuschuss wegfallen. „Es hat sich gezeigt, dass wir ohne qualifizierte Planung und ohne ein Büro, das solche Kunstrasenplätze bereits gebaut hat, nicht weiterkommen“, so Ruß, der damit auch die Planungsvergabe an das Landschaftsarchitekturbüro Ammermann/Döhler (Bamberg) begründete, das u.a. den Kunstrasenplatz in Bamberg geplant und gebaut hat.

Martin Ammermann und Elke Döhler vom genannten Architekturbüro stellten dann auch heraus, dass die Nachfrage nach Kunstrasenplätze steigt, weile viele kommunale Sportanlagen in die Jahre gekommen sind und einer Modernisierung bedürfen. Auf Sand bezogen käme ein Kunstrasenplatz in der Größe von 90 x 58 Meter in Frage. Diese Mindestmaße würden auch den Bestimmungen des Bayerischen Fußballverbandes entsprechen.

Bei ihren weiteren Ausführungen gingen die Planer auf technische Fragen ein. Dazu gehörte u. a. eine Baugrunduntersuchung, Drainage, Aufbauhöhe wegen 100-jährigen Hochwasser, Randbefestigung, Abgrenzungen und sonstiger Umgriff um das Spielfeld. Dipl.-Ing Martin Ammermann und Partnerin legten die Einzelheiten sehr detailliert und verständlich da.

Danach würden die reinen Spielfeldkosten („von Linie zu Linie“) 329.000 Euro betragen. Wegen des labilen Untergrunds – beim Anlegen des alten Sportplatzes wurde der Kies entfernt und der Untergrund mit minderwertigem Material aufgefüllt – ist eine Baugrundverbesserung erforderlich, die mit rund 23.000 Euro zu Buche schlägt. Zusammen mit den Baunebenkosten 70.000 Euro käme man auf einen Minimalbetrag von rund 425.000 Euro für den Sportplatz. Empfohlen, aber nicht zwingend erforderlich sahen die Architekten wegen der Lage im Hochwassergebiet den Einbau einer Asphalttragschichte. Diese würde allerdings mit rund 59.000 Euro zu Buche schlagen. Noch zu berücksichtigen seien die Neugestaltung der Außenanlagen, die aber zum großen Teil sowieso fällig wären, weil das Sportgelände vor über 45 Jahren errichtet wurde und die Wege und Einplankungen ohnehin erneuert werden müssten. Auch der Blitzschutz (Kosten rund 10.000 Euro) sei zu ergänzen. Insgesamt ergebe sich ein Betrag für die Außenanlagen von rund 88.000 Euro, von denen fast die Hälfte – rund 41.000 Euro – durch Eigenleistung des 1. FC Sand erbracht werden könnten. Rechne man die Außenanlage und die Asphaltschicht noch hinzu, so würde sich das Gesamtvolumen auf 530.000 Euro erhöhen.

Bürgermeister Ruß erinnerte noch einmal an den LEADER-Zuschuss von 149.000,- Euro und die ohnehin notwendige Investition in die Sanierung des Nebenplatzes von ca. 130.000.- Euro erwähnte, wobei klar sein müsse, dass eine Rasenplatz als weiterer Trainingsplatz selbst bei höchstem Pflegeaufwand auf Dauer nicht zu halten sei. „Wir müssen zudem auch an die Weiterentwicklung der Gemeinde denken“, so Bürgermeister Ruß, der der Meinung war „durch den Kunstrasenplatz bekommen wir ein weitaus höheres Niveau als durch den Sandplatz. Davon profitiert das Image der Gemeinde ebenso wie die Sport treibende Jugend, nicht nur aus Sand, sondern auch von auswärtigen Vereinen bis hin zur Lebenshilfe und den Campingplatzbesuchern“.

Im weiteren Verlauf kam es zu einer sehr intensiven Diskussion, an der sich mehrere Gemeinderäte beteiligten. Ihre Wortbeiträge betrafen Nachfragen nach technischen Einzelheiten, besonders aber die Finanzierung. Besonders Gemeinderat Robert Wagner plädierte dafür, die Entscheidung über die Ausschreibung bis nach der Beratung des Haushaltsplanes 2014 zurück zu stellen.

Gemeinderat Hugo Ackermann stellte ebenfalls die Frage nach der Finanzierung. Bürgermeister Bernhard Ruß antwortete, dass bezüglich der Sanierung der Sportanlagen schon im letzten Jahr Mittel im Haushaltsplan angesetzt wurden: „Wir haben eine korrekte mittelfristige Finanzplanung. Wir können das Konzept Kunstrasenplatz finanzieren, auch wenn ich zugeben muss, dass dadurch eventuell andere Projekte etwas verzögert werden könnten“.

Gemeinderat Roland Mahr sprach sich dagegen für den Kunstrasenplatz aus: „Wir müssen bedenken, ob wir Geld für die Sanierung des Sandplatzes ausgeben oder etwas mehr für eine bessere Lösung mit einen modernen Kunstrasenplatz investieren“, so sein Wortbeitrag. Gemeinderat Paul Hümmer pflichtete dem im vollen Umfang bei, fügte aber hinzu: „Immer wird von der Förderung des Ehrenamtes geredet. Das ist aber nicht mit der Übergabe einer Urkunde getan. Wir müssen auch Bedingungen schaffen, dass die Betreuer in Sinne der Jugend ihre Arbeit im ordentlichen Rahmen verrichten können“. Auch die Gemeinderäte Gerhard Zösch, Doris Kümmel und Klaus Ullrich sprachen sich - auch mit ein wenig Bauchweh - dafür aus, die Ausschreibung für den Kunstrasenplatz auf dem Weg zu bringen. Klaus Ullrich stellte allerdings den Antrag, im Abstimmungsbeschluss einen Passus mit aufzunehmen, dass bei Kosten über 520.000.- Euro kein Kunstrasenplatz gebaut wird.

Die erste Abstimmung die sich nur auf die Ausschreibung für einen Kunstrasenplatz in der Größe von 90 x 58 m und einen Asphaltuntergrund als Eventualposition bezog, ging mit 8:9 Stimmen negativ aus. Die zweiten Abstimmung über den Antrag von Gemeinderat Klaus Ullrich, die eine Kostendeckelung beinhaltet, ging dann mit 13:4 Stimmen zu Gunsten des Kunstrasenplatzes aus. Das Planungsbüro Ammermann & Döhler (Bamberg) wurde beauftragt, die weiteren Schritte einschließlich der Ausschreibungen vorzunehmen.

Damit ist der Bau eines Kunstrasenplatzes in Sand aber noch nicht in trockenen Tüchern. Erst nach Angebotseingang wird der Gemeinderat Sand darüber endgültig entscheiden.