Gewährleistet die Polizeidienststelle Haßfurt unseren Schutz, unsere Sicherheit?

Ein Beispiel aus der Praxis (Berichterstattung Haßfurter Tagblatt):

Hauptsache, die Statistik passt Polizisten als Mangelware

Samstag, ein Bundesligastadion irgendwo in Deutschland. Ausverkauft, auf dem Rasen spielen Millionäre, der Schatzmeister zählt die Einnahmen, die die Millionäre finanzieren. Hunderte von Polizisten sind im Einsatz, um friedliche Fans vor Hooligans zu schützen halten ihren Rücken hin auf Steuerzahlerkosten. Samstag im Landkreis Haßberge: Ein paar wenige Polizisten gewährleisten in der Nacht die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Streifenwagen sind unterwegs ein Notruf geht ein: Verzweifelte junge Leute bitten um Hilfe, eine Feier ist eskaliert, eine Schlägerei, später sogar eine Messerstecherei, hat sich entwickelt. Bis sich der Streifenwagen durch den Nebel gequält hat, ist eine Wohnung verwüstet, ein Verletzter ist im Krankenhaus, sechs junge Leute sind mehr oder weniger traumatisiert, einer muss in der Folge ein halbes Jahr Untersuchungshaft absitzen, bangt, wegen versuchten Totschlags verurteilt zu werden. Betretene, entsetzte Gesichter in der Gerichtsverhandlung, als die Tonprotokolle der Nacht vorgespielt werden. Die Notrufzentrale verwaltet den Mangel. Zitat zwischen Notrufzentrale und Polizei-inspektion: „Saturday Night Fever!" Hauptsache, im Innenministerium stimmt die Statistik!

Von unserer Mitarbeiterin SABINE WEINBEER (Hassfurter Tagblatt)

DIE POLIZEI DEIN FREUND UND HELFER

Der Stich in den Hals „ist maximal fahrlässige Körperverletzung

Schwurgerichtskammer des Bamberger Landgerichts stellt Verfahren wegen versuchten Totschlags gegen jungen Haßbergler ein.
Aus Bamberg berichtet unsere Mitarbeiterin SABINE WEINBEER

HASSBERGKREIS Zum ersten Mal nach sechs Monaten konnte Lukas H. heute Nacht zuhause schlafen. Er verließ das Landgericht Bamberg gestern als freier Mann. Die Messer¬stecherei, in die er im November ver-gangenen Jahres verwickelt war, „ist maximal fahrlässige Körperverletzung", wie der Vorsitzende Richter Schmidt erklärt, als er die Einstellung des Verfahrens vorschlägt. H. verzichtete auf Haftentschädigung und erklärte sich bereit, 500 Euro an den Weißen Ring zu zahlen. Wohl keiner der Beteiligten wird die Nacht zum Totensonntag 2011 je vergessen, als ein Computerspiele-Abend in Zeil wegen eines ungebete¬nen Gastes eskalierte. Weil er mit einem Messer in eine Auseinandersetzung eingriff, stand der 22-jährige Lukas H. wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung vor der Schwurgerichtskammer. Bei Mario A. in Zeil trifft sich regelmäßig eine Gruppe junger Leute Anfang bis Mitte 20 zum Computerspielen. Der Informatiker stellt dazu die Räume seiner IT-Firma zur Verfügung. Der Novemberabend begann mit Pizza in der Wohnung, dann spielten die jungen Leute im benachbarten Büro hin und wieder ging es vor das Haus zum Rauchen. Wäh¬rend einer Raucherpause stieß der 29-jährige Hans M. zu der Gruppe. Einen unter ihnen, Michael S., kannte M. flüchtig von seinem Arbeitsplatz. „Der war schon kräftig angetrunken", berichten die Zeugen übereinstimmend. M. bestätigt, dass er beim Abendessen zuvor einiges an Wodka und Bier getrunken hatte. An dieses Aufeinandertreffen erinnert er sich nicht. „Ich rede gern und viel; wenn ich betrunken bin", gesteht er. Dieser Redseligkeit wollten die jungen Leute aus dem Weg gehen, als sie M. erneut die Straße entlang kommen sahen. Sie gingen rein, zogen die Tür zu, „aber der Schnapper war wohl unten, der Hans kam jedenfalls mit seiner Wodkaflasche rein und setzte sich zu uns aufs Sofa", sagt Zeuge S. Als M. schließlich auf dem Sofa ein¬ schläft, wecken ihn der Wohnungsinhaber und der Angeklagte und bitten ihn, nach Hause zu gehen. Nach den Schilderungen der Zeugen muss M. völlig außer sich gewesen sein. Er geht auf beide los, schlägt um sich, stößt die Freundin des Hauseigentümers gegen eine Kommode und hat plötzlich ein Messer in der Hand. „Ich habe nur ein Messer gesehen", sagt der Angeklagte. Es war wohl „nur" ein Besteclanesser, wie sich später herausstellte. Lukas H. selbst bewaffnet sich mit einem „Sdmeidteufelchen". Auf zwei Schnitte am Arm habe M. „gar nicht reagiert, ist immer wieder auf mich los. Ich wollte ihn wirklich nicht verletzen, den Stich in den Hals hab ich in dem Gerangel gar nicht richtig mitgekriegt", sagt Lukas H., der sich bei M. entschuldigte. Der Stich war nicht lebensgefährlich, doch knapp an der Schlagader vorbei. Der Betroffene bemerkte die Verletzung erst später, sagt, er könne sich von dem Moment an, als er sich auf das Sofa gesetzt hat, bis zum Eintreffen der Sanitäter an nichts mehr erinnern. Wegen der Körperverletzung gegen den Wohnungsinhaber und den Angeklagten ist er bereits rechtskräftig verurteilt. M. trinke meist am Wochenende, berichtet seine Ehefrau, „eine Flasche Wodka brauch' ich schon für mich", erklärt der Dreher. Ein unbeschriebenes Blatt ist er nicht, beim Angeklagten hingegen ist der Auszug aus dem Zentralregister ohne Eintrag. Alle drei Hauptakteure waren deutlich alkoholisiert, um die zwei Promille. Der Gastgeber kann sich wegen des massiven Faustschlags, den er zu Beginn der Auseinandersetzung erlitt, und der folgenden kurzen Ohnmacht ebenfalls nur bruchstückhaft erinnern. Irgendwann sei es gelungen, den ungebetenen Gast bis zur Haustür zurückzudrängen, der schlug aber weiter, trat einen massiven Blumenbottich zwischen Tür und Angel. Den Sanitätern folgte M. widerstandslos. Während des gesamten Vorfalls hatten mehrere Anwesende Notrufe abgesetzt. Die Tonprotokolle vermittelten im Gerichtssaal, wie chaotisch es zuging. „Die ganze Gruppe war komplett überfordert", stellt Richter Schmidt fest. Ein Informatiker, sein Azubi, ein angehender Erzieher, ein Metallfacharbeiter, der Angeklagte (Straßenbauer) und eine Altenpflegerin waren der Situation nicht gewachsen. Lukas H. meinte, seine Freunde beschützen zu müssen und landete in Untersuchungshaft. Zwei der Zeugen brauchten nach dem Vorfall therapeutische Hilfe, der Hauseigentümer betrat seine Woh¬nung zwei Wochen lang nicht. „Das war die schlimmste Nacht meines Lebens", erklärte er vor Gericht. Mindestens sieben Anrufe gingen bei der Polizei ein - etwa 45 Minuten dauerte es, bis die erste Streife in Zeil eintraf. „Wir dachten, die müssen doch von Haßfurt in zehn Minuten da sein", erinnert sich Hendrik H. „Ja, das hat lang gedauert", bestätigt einer der Polizisten, die schließlich eintrafen. „Wir waren bei einer anderen Sache im Steigerwald. Die Nacht war sehr neblig, schneller ging es nicht", lautet seine Erklärung. Zur Besetzung der PI Haßfurt samstag¬nachts dürfe er nichts sagen.

Aus Bamberg berichtet unsere Mitarbeiterin (vom Haßfurter Tagblatt) SABINE WEINBEER