Fasching war nicht immer Frei - Der erste Faschingsumzug im Landkreis war wohl 1858 in Haßfurt.

13. Februar 2026

Jedes Jahr wird die Fasenacht selbst in den kleinen Orten mit Büttensitzungen und Umzügen ausgiebig gefeiert. Das war nicht immer so. Deshalb habe ich einmal aufgezeichnet, wie in früheren Zeitender Fasching stark eingeschränkt oder sogar verboten worden ist. Zum Abschluss der diesjährigen Saison ist es vielleicht nicht uninteressant, daran zu erinnern. Herzliche Grüße und Zeilau Ludwig Leisentritt

Der erste Faschingsumzug im Landkreis war wohl 1858 in Haßfurt.

„Mummereien“ und Fasenachtsrummel waren lange Zeit bei uns nicht erwünscht und oft auch verboten. Karneval ist mit einer der ältesten nichtkirchlichen Bräuche. Die lateinische Kurzfassung ist „carne vale“ bedeutet „Fleisch, lebe wohl“. Sie bezeichnet den Abschied vom Fleisch vor der 40-tägigen christlichen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt.

Erzählt wird, dass die Fasenacht im unterfränkischen Raum einen höheren Stellenwert besitzt als im benachbarten Ober- oder Mittelfranken. Das soll auf frühere herrschaftliche Einflüsse zurückzuführen sein. Einige Würzburger Fürstbischöfe - die in geistlichen Dingen auch für Zeil zuständig waren - sind auch Fürsten für das Bistum Mainz gewesen. Dadurch sei etwas vom rheinischen Karneval in unser Gebiet gekommen.

Es ist nicht bekannt, wann in unserem Bereich erstmals Fasenachts-Umzüge abgehalten wurden. Dass die geistige und weltliche Obrigkeit Jahrhunderte lang ihre liebe Not mit wiederkehrenden Ausschweifungen hatte, lässt sich in den Archiven nachweisen. 1858 berichtet das Haßfurter Intelligenzblatt von einem Aufruf der Gesellschaft Thalila in Haßfurt. Mit obrigkeitlicher Genehmigung soll am Fastnachtssonntag ein Maskenzug Erstmals wird zu einem Umzug 1858 im Haßfurter Intelligenzblatts aufgerufen. Die „Gesellschaft Thalila“ veranstaltete mit obrigkeitlicher Genehmigung einen Maskenzug mit Wagen und Pferd durch die Stadt bewegen. Wörtlich heißt es: „Zu diesem Zuge sind noch mehrere Rollen unbesetzt und wird deshalb zur Beteiligung hieran eingeladen. Lusttragende können sich in die im Gesellschaftslokal bei Brauer Franz Anton Müller aufliegende Liste einzeichnen“. Der Kleidermacher Adolph Nusser in Haßfurt, bot 1863 im Amtsblatt Masken-Garderobe sowie „Narrenkappen und burleske Nasen“ für den gegenwärtigen Carneval“ an. Ein Vorkommnis aus dem Jahr 1881 hat sich jahrzehntelang im kollektiven Gedächtnis der Zeiler eingegraben. Nach einer Stadtratswahl waren die beiden politischen Lager der Stadt aneinandergeraten. Das politische Feld beherrschten damals die Zentrumspartei und die Liberalen. Erstere hatten am Ende bei der Wahl die Oberhand behalten, worauf die Liberalen erfolglos einen Prozess bis zur letzten Instanz anstrengten. Ein zentrumsfreundlicher Arzt wurde als Dr. Eisenbart parodiert. Auf einem Wagen tummelten sich mehrere als Tiere verkleidete Männer. Unter ihnen ein Liberaler, der im Priestertalar und mit einer Stiermaske auf dem Kopf den, - als ausgewiesenen Freund des Zentrums geltenden Stadtpfarrer Stier darstellte. Damit das auch der letzte Zeiler merkt, brüllte der Spaßvogel während des Zuges aus voller Kehle wie ein Stier. Auf halben Weg des Umzugs, schritt Bürgermeister Burger, der selbst zu den „Schwarzen“ gehörte, ein, und verbot den Auftritt der Narren. Es wird berichtet, dass der Mann späzter auf seinem Sterbebett wie ein Stier geschrien haben soll. 1894 und 1895 fanden auch in Haßfurt Faschingsumzüge statt. In Königsberg gab es zu dieser Zeit eine Maskenfabrik, welche ihre Produkte nach auswärts lieferte.

Nach der Jahrhundertwende hat in Zeil der 1898 gegründete Geselligkeitsverein „Freundschaftsbund“ neben Theateraufführungen für arme Erstkommunikanten auch Fasenachtsumzüge organisiert. 1907 fand ein Maskenzug statt, bei dem der Verein den „Hauptmann von Köpenick“ inszenierte.

Fasching auf den Straßen war in den Zeiten des Obrigkeitsstaates gar nicht, oder nur mit bestimmten Auflagen möglich. Im Haßfurter Bezirksamt berief man sich auf ein Dekret von 1722, wonach öffentliche Aufzüge und „Mummereien an Faßnacht“ verboten sind. Während des 1. und 2. Weltkrieges war öffentlicher Frohsinn ohnehin verpönt. Dann kamen stets im Gefolge die Hungerjahre und wiederum hatten die Menschen andere Sorgen. 1922 scheint sich dennoch in Zeil etwas Narrenfrohsinn geregt zu haben. Die Stadtverwaltung ließ durch den städtischen Polizisten Schöpf ausschellen, dass angesichts der neuen „Bedrückungen seitens unserer (französischen) Gegner“ Faschingslustbarkeiten jeder Art „schlechthin unerträglich sind.“ Sie nahm die Erlaubnis zur Kostümierung, welche für Kostümfeste und Volkstrachtenfeste erteilt war, zurück. Und weiter: „Tanzvergnügungen, soweit sie trotz der tieftraurigen Lage unseres Vaterlandes und angesichts der immer schwieriger sich gestaltenden Ernährungslage abgehalten werden wollen, dürfen nur in bürgerlicher Kleidung besucht werden“. Im darauffolgenden Jahr ließ das Bezirksamt mitteilen, dass „durch die neuerlichen Gewaltmaßnahmen unserer Gegner sich die politische und wirtschaftlichen Lage des deutschen Vaterlandes so verschlimmert hat, dass in den weitesten Volkskreisen von Tag zu Tag immer eindringlicher der Ruf nach Einstellung aller Tanzlustbarkeiten erhoben wird.“ Nun wurden nicht nur öffentliche, sondern auch geschlossene Tanzveranstaltungen streng untersagt.

Ausnahmen stellte man nur in Aussicht, wenn die Veranstalter sich bereit erklärten, von jedem Besucher einen entsprechenden Betrag für wohltätige Zwecke zu erheben, oder die Durchführung einer Sammlung freiwilliger Beiträge gestatteten. Das Geld wurde durch die Bezirksfürsorgestelle vorzugsweise als Beihilfe für notleidende Klein- und Sozialrentner sowie für Tuberkulosekranke und Kinder aufgewendet. Es macht sicher einen Sinn, wenn man bei solchen Gelegenheiten etwas für die gibt, denen es nicht so gut geht. Dies ist sogar später in den Zeiten des Wohlstandes des Öfteren bei Büttensitzungen so gehandhabt worden.

Auch die frühen 30-er Jahre waren geprägt von Arbeitslosigkeit und Not. Das Haßfurter Amt wies 1930 erneut auf einschlägige Bestimmungen hinsichtlich von „Faschingslustbarkeiten“ hin. Danach waren die bisherigen Verbote nach wie vor gültig. Wenigstens den Kindern wollte man etwas Faschingsfreude gönnen, denn am Rosenmontag 1932 organisierten die Zeiler einen Kinderfaschingszug. Ausgangspunkt war das Caritashaus. Viele Menschen umsäumten die Straßen „um das „kleine frohbewegte Maskenvolk“ zu beobachten. An der Spitze ritt ein Reiter und im Zug selbst sah man einige originell geschmückte kleine Wägen, auf denen Kindermasken Platz genommen haben. Die Heimatzeitung schloss ihren Bericht mit den Worten: „Den Kindern, die die Sorgen des Lebens nur allzu früh zu spüren bekommen, war diese kleine Freude wohl zu gönnen.“ Als sich die Nationalsozialisten etablierten, fand 1937 in Haßfurt erstmals seit 1912 wieder ein Faschingszug statt.

Nach dem 2. Weltkrieg war es die Militärregierung, die das Faschingstreiben strikt untersagte. Völlig entgegen geltender Bestimmungen zogen 1946 zwei junge Burschen mit Zylinder durch Zeil. Der eine, Hugo Pfaff, hatte von seinem Hitlerjugend-Einsatz am Westwall eine Glocke mitgehen lassen, die er nun kräftig schwang um die Aufmerksamkeit der Zeiler zu erzielen. Mit Hilfe eines Grammophon-Trichters rief Christian Pfaff zu einer Fasenachtsgaudi auf. Tatsächlich hatte sich eine große Zahl von Zeilern diesem Aufruf angeschlossen. Irgendetwas fand sich auch im ersten Nachkriegsjahr in den Häusern. Besonders viele alte großrädrige Chaisen wurden damals durch die Gassen geschoben. Freilich: Legal war dieser Fasenachtsrummel nicht. Im Göller-Saal spielte erstmals die neugebildete Kapelle „Odeon“ auf. Die einquartierten amerikanischen Soldaten scherten sich wenig um das sog. Fraternisierungsverbot. Zeiler „Freileins“ stellten sich auch ein.

Nach der Währungsreform 1948 versuchte erstmals der FC 08 Zeil die Fasenacht wieder nach den Bestimmungen der Militärregierung aufleben zu lassen. Landrat Heinrich Schulz musste den Initiatoren jedoch eine Verfügung der Regierung von Unterfranken zuleiten, in der eine Ausnahmegenehmigung in Frage gestellt wurde. Eine Genehmigung stellte man aber in Aussicht, wenn Gesuche besonders begründet erscheinen und Faschingsumzüge in der betreffenden Gemeinde schon üblich waren. „In Zeil konnten – wohl mit Hilfe des aus Zeiler stammenden Landrats Heinrich Schulz - die Organisatoren eine Genehmigung erwirken. In einem offenen Personenwagen präsentierte sich das Prinzenpaar Otmar Loch und Irma Wendenburg. Auf Initiative des FC 08 Zeil wurde ein Programm für 1949 beschlossen. Eine Attraktion war eine von Sepp Wittig gebaute Altweibermühle. Außerdem organisierten die Naturfreunde ein lebensgroßes Kasperltheater.

Ausgelassen und ideenreich, präsentierten sich die Zeiler Narren 1950. In einer Sitzung der Vereinsvorstände und des Kulturausschusses des Stadtrates unter Leitung von Bürgermeister Rudolf Winkler kürte man den Frisör und Hobby-Theatermimen Harry Schwinn als Prinzen. Als seine Prinzessin wählte er sich Käthe Hofmann-Rausch. Als Krönung des Tages fuhren die Naturfreunde einen mit Lebensmittelkarten beklebten Sarg auf den Marktplatz. Emil Schurig glossierte auf dem aufgebahrten Sarg das Ende der Lebensmittelmarken. Schurig war damals klapperdürr und ein lebender Beweis für die schlimmen und entbehrungsreichen Nachkriegsjahre. In seinem Nachruf klang noch einmal die Zeit der Zwangsbewirtschaftung durch.

1951 bestimmte der Elferrat Emil Schurig. „Emil I von Roten Haaren“, benannt nach seinen roten Haaren. In einem üppigen Ball des Gesangvereins „Liederkranz“ erwählte er Elfriede Schätzlein-Werner zu seiner Prinzessin. Das Prinzenpaar verfügte auch über einen prunkvollen Hofstaat mit Pagen. Die Menschen hatten nach den vielen Entbehrungen während und nach dem Krieg nach Flitter, Pomp und scheinbaren Luxus gegiert.

Bildtexte 01 Das Zeiler Nachkriegsprinzenpaar 1948: Ormar Loch und Irma Wendenburg Foto: Otmar Loch. 02 Das Prinzenpaar Leonhard (Harry) Schwinn und Käthe Hofmann-Rausch 1950.. hatte schon einen prunkvollen Hofstaat. Foto: Jakop Schnexer

03 1951 führten das Narrenzepter Emil Schurig und Elfriede Schätzlein-Werner. Foto: Jakob Schneyer

04 Hier zeigen sich – trotz einiger Neckereien - die beiden Prinzenpaare von Zeil und Haßfurt. V. Li. Emil Schurig, Frau Wörtmann, Elfriede Schätzlein und Rudi Zapf. Foto: Jakob Schneyer

05 Emil Schurighäöt 1950 einen Nachruf auf die Zwangsbewirtschaftung durch Lebensmittelkarten. Foto: Jakob Schneyer

06 Die vielen Zuschauer sehen zu, wie der Sarg mit den Lebensmittelkarten in Flammen aufgeht. Foto: Jakob Schneyer

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